Einst geheim, heute Schulfach - in Deutschland

Erstmals können in Deutschland regulär Religionslehrer für die über 500.000 Aleviten ausgebildet werden. Aleviten sehen das als Signal an die Türkei. Dort kämpft die Religionsgemeinschaft weiter um Anerkennung.

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Für Vertreter der alevitischen Religionsgemeinschaft findet im württembergischen Weingarten in diesem Studienjahr eine Art Weltpremiere statt. Dort können sich zum ersten Mal Religionslehrer für die aus Anatolien stammende Glaubenstradition ausbilden lassen. Die Stuttgarter Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) gab nun offiziell den Startschuss für den Studiengang, der seit einigen Monaten an der Pädagogischen Hochschule Weingarten läuft. "Das ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Aleviten überhaupt, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit", betont Yilmaz Kahraman. Er ist Bildungsbeauftragter des Dachverbandes Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF). Obwohl in der Türkei 15 bis 25 Millionen Aleviten leben, gibt es dort weder einen Religionsunterricht noch eine Religionslehrerausbildung für sie. In Deutschland lebt mehr als eine halbe Million Aleviten.

Die Lehrerqualifikation in Deutschland hinkt dem Religionsunterricht hinterher. In Baden-Württemberg steht das Schulfach bereits seit 2006 auf dem Stundenplan, in Nordrhein-Westfalen und Bayern seit 2008. Andere Bundesländer folgten. Alevitischer Religionsunterricht wird auf Deutsch gehalten und ist wie evangelischer oder katholischer Religionsunterricht versetzungsrelevant. Die Lehrer dafür sind bislang Aleviten, die eigentlich andere Schulfächer unterrichten. Sie wurden von der AABF in Wochenendseminaren auf das zusätzliche Fach vorbereitet. Mittlerweile hat die Hochschule Weingarten nach zweijähriger Pilotphase den regulären Erweiterungsstudiengang begonnen. [weiterlesen]

Quelle: Deutsche Welle