Alevitische Gemeinde Deutschland ruft zur Großdemonstration gegen Erdogan auf

Alevitische Gemeinde Deutschland organisiert Großkundgebung am 24. Mai 2014 gegen den Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Köln

erdowahn

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan wird am 24. Mai zum 10. Gründungstag der UETD (Union Türkisch-Europäische Demokraten) nach Köln kommen. Er wird in der Lanxess Arena, die 20.000 Zuschauerplätze hat, eine Rede halten. Erdoğan sorgt mit seinen Reden in Deutschland immer wieder für einen Eklat, wie bereits im Jahr 2008, indem er die Bundesregierung in Deutschland beschuldigte, sie assimiliere die türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Erst kürzlich hat der Bundespräsident Joachim Gauck bei seinem Staatsbesuch in Ankara die politischen Entwicklungen in der Türkei scharf kritisiert. „So frage ich mich heute und hier, ob die Unabhängigkeit der Justiz noch gesichert ist, wenn die Regierung unliebsame Staatsanwälte und Polizisten in großer Zahl versetzt und sie daran hindert, Missstände ohne Ansehen der Person aufzudecken”. Der Bundespräsident beanstandete den politischen Führungsstil Erdoğans wegen seiner Einflussnahme auf die Justiz, das Sperren sozialer Netzwerke sowie der Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit. Vor Studenten der Technischen Universität in Ankara sprach Gauck gar von einer “Gefährdung der Demokratie”.

Auch Europaparlamentspräsident Martin Schulz äußerte Bedenken gegenüber dem autokratischen Regierungsstil Erdoğans. „Erdoğans Reaktion ist ein Bruch diplomatischer Regeln.” Schulz spielt auf die Äußerungen an, die Ministerpräsident Erdoğan bei seiner parlamentarischen Fraktionsrede vor seiner AK-Partei hielt. Dort behauptete dieser, der übrigens selbst Absolvent einer İmam-Hatip-Schule – also einer Predigerschule – ist, Gauck habe erzählt, „was man ihm in den Mund gelegt habe” – und halte sich noch immer für einen Pastor. Des Weiteren warf der türkische Ministerpräsident seinem Staatsgast aus Deutschland öffentlich vor, sich in innerstaatliche Angelegenheiten einzumischen.

Sowohl Bundespräsident Joachim Gauck als auch Europaparlamentspräsident Martin Schulz haben Recht mit ihrer sachlichen Kritik.

Durch seine öffentlichen Diffamierungen gegenüber unserem Staatsoberhaupt ebenso wie gegenüber der Alevitischen Gemeinde Deutschland, die seiner Ansicht nach “eine atheistische Auffassung hat”, versucht Erdoğan unsere türkeistämmigen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland zu polarisieren.

Das werden wir nicht dulden! Erdoğan hat kein Recht sich in innerdeutsche Angelegenheiten einzumischen und die religiöse Auffassung der hierlebenden Bürgerinnen und Bürger zu bewerten.

Wir sagen NEIN zu ERDOGAN!

Die Alevitische Gemeinde Deutschland e. V. wird daher gegen dieses wiederholte Einmischen in innerdeutsche Angelegenheiten und das wiederkehrende Aufwiegeln der Türkeistämmigen in Deutschland seitens des türkischen Ministerpräsidenten demonstrieren.

Der Demonstrationszug mit anschließender Kundgebung findet am 24. Mai 2014 in Köln statt. Der Zug beginnt um 13 h vor dem Ebertplatz und führt durch die Innenstadt zum Kundgebungsort vor dem Dom. Die Protestkundgebung wird von kulturellen Beiträgen und Reden verschiedener Parteimitglieder, Organisationen, Menschenrechtsvereine und Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften begleitet.

Wir rufen alle Demokratinnen und Demokraten, alle Antifaschistinnen und Antifaschisten, alle verfassungstreuen Bürgerinnen und Bürgern dazu auf, mit uns ein Zeichen zu setzen.


Für Interviewanfragen und weitere Auskünfte steht Ihnen zur Verfügung:

Melek Yıldız
Stellvertretende Generalsekretärin der AABF
melek.yildiz@alevi.com