Startschuss für den Alevitischen Religionsunterricht auch an weiterführenden Schulen in NRW

Nachdem der alevitische Religionsunterricht (kurz ARU) an den Grundschulen in NRW eingeführt worden ist, wird dieser mit Beginn des 2. Schuljahres 2011/12 auch an weiterführenden Schulen des Landes NRW unterrichtet. Die Grundlage dafür bildet der Kernlehrplan der Alevitischen Religionslehre für die Sekundarstufe I, den die Schulministerin Frau Löhrmann, genehmigt hat.

Hierzu erklärt Turgut Öker, der Bundesvorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF):

Die Einführung des ARU auch an weiterführenden Schulen des Landes NRW ist eine weitere historische Errungenschaft für alle in Deutschland lebenden Alevitinnen und Aleviten. Mit großem Erfolg wird der alevitische Religionsunterricht in ganz Deutschland weiter ausgedehnt. Mit jedem Tag erhöhen sich die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die am alevitischen Religionsunterricht teilnehmen und die der Schulen, die diesen Unterricht anbieten.

Am 14.02.2012 um 10:30 Uhr startet der ARU an der Luise-Meitner-Gesamtschule in Duisburg. An dieser historisch bedeutsamen Auftaktstunde des ARU an einer weiterführenden Schule werden Schulministerin Sylvia Löhrmann und der Bundesvorsitzender der AABF, Turgut Öker, persönlich anwesend sein. Der Unterricht wird von Ekrem Şahin, Lehrer alevitischen Glaubens, in deutscher Sprache erteilt.

In NRW wird der ARU zurzeit in 18 Grundschulen unterrichtet, an dem 300 Schülerinnen und Schüler teilnehmen. Weitere 20 Lerngruppen sind zwar gebildet, können jedoch aufgrund fehlender Lehrkräfte in den Grundschulen noch nicht unterrichtet werden.

Zum Hintergrund

Der ARU wird nach den Grundsätzen der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) in deutscher Sprache erteilt. Den Unterricht erteilen Lehrkräfte alevitischen Glaubens, die auf Lehramt studiert haben und bereits im Schuldienst tätig sind.

Zurzeit besuchen allein in NRW schätzungsweise 60.000 bis 70.000 Schülerinnen und Schüler alevitischen Glaubens verschiedene Schulformen. In NRW können Lerngruppen zur Erteilung des ARU an vielen weiterführenden Schulen insbesondere an Gesamtschulen gebildet werden. Die genaue Zahl schulpflichtiger Kinder und Jugendlicher alevitischen Glaubens müßte jedoch durch die Schulstatistik erfaßt werden. Bis dahin sollen durch eigene Recherchen von alevitischen Ortsgemeinden festgestellt werden, an welchen weiterführenden Schulformen Lerngruppen, bestehend aus mindestens 12 Schülerinnen und Schülern gebildet werden können, damit der ARU flächendeckend eingeführt und unterrichtet werden kann.

Dieser Entwicklung ist ein langjähriges Anerkennungsverfahren der AABF als Religionsgemeinschaft durch die Landesregierungen vorausgegangen. Um eine gemeinsame Lösung für die Einführung des alevitischen Religionsunterrichts zu finden, haben die Kultusministerien wie etwa in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen unter der Federführung von Nordrhein-Westfalen, Frau Prof. Dr. Ursula Spuler-Stegemann beauftragt, ein religionswissenschaftliches Gutachten zum Alevitentum zu erstellen. Prof. Dr. Stefan Muckel (Universität Köln) wiederum wurde beauftragt, zu beurteilen, ob die AABF eine Religionsgemeinschaft im Sinne des Art. 7 Abs. 3 Grundgesetz ist. Beide Gutachter kamen Ende 2004 überein, dass die AABF als Religionsgemeinschaft alle Voraussetzungen für die Einführung des alevitischen Religionsunterrichts Art. 7.3 erfüllt.

Hierzu war die wichtige Voraussetzung die gemeinsamen religiösen und ethischen Grundlagen zu formulieren, die im Lehrplan für den alevitischen Religionsunterricht eingeflossen und in der Alevitischen Gemeinde Deutschland konsensfähig sind. Das Land NRW und andere Bundesländer haben durch ihre positiven Entscheidungen zum alevitischen Religionsunterricht die pluralistische und demokratische Struktur und Konsensfähigkeit der Alevitischen Gemeinde Deutschland gewürdigt.

Quelle und weiterführende Informationen: alevi.com und nrw.de